Viele Führungskräfte sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter – zunächst sollten sie aber ihre eigenen Bedürfnisse im Blick haben.
Aktuelle Krisen wie der Krieg in der Ukraine, die noch immer andauernde Corona-Pandemie und dazu die steigende Inflation zehren an den Nerven von Unternehmern und ihren Mitarbeitern. Deshalb versuchen viele Führungskräfte, das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick zu behalten.
Ich empfehle Ihnen, dabei ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.
Nur wer selbst in einer guten Verfassung ist, kann sich auch um andere kümmern.
Dazu müssen Sie als Führungskraft drei Dinge im Blick haben:
- ihre körperliche Gesundheit,
- ihr Denkvermögen und
- ihre innere Zufriedenheit.
Diese hängen oftmals zusammen: Wer etwa seinem Körper etwas Gutes tut, kann besser Stress abbauen. Es ist von Person zu Person unterschiedlich, wie Selbstfürsorge in der Praxis aussieht - manche Tipps helfen aber fast immer.
5 Tipps für eine bessere Selbstfürsorge
1. Einen Ausgleich finden
Um körperlich gesund zu bleiben, sollten Sie sich einen Ausgleich zum Berufsalltag suchen. Wenn Sie tagsüber ständig auf den Beinen waren, freuen Sie sich abends vielleicht über ein entspannendes Bad, nach einem langen Tag am Schreibtisch kann Bewegung helfen. Bedenken Sie aber, dass Sie sich beispielsweise nicht zum Joggen zwingen sollten, dann ist das nur ein weiteres to-do, das erledigt werden muss. Besser ist es dann, eine Runde spazieren zu gehen – je nachdem, was Ihnen Spaß macht.
2. Besser schlafen
Wenn Sie besser schlafen wollen, müssen Sie konsequent sein! Jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett gehen, keine Ablenkung vor dem Schlafen und das Zimmer kalt und dunkel halten. Auch eine gesunde Ernährung kann positive Effekte haben, denn die Ernährung wird oft unterschätzt, hat aber eine große Auswirkung auf Ihre Gesundheit.
3. Den Kopf freibekommen
Wer nicht mehr abschalten kann und auch nach Feierabend noch Probleme wälzt, kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Diesen Teufelskreis müssen Unternehmer und Führungskräfte dringend durchbrechen.
Wichtig ist es, kreisende Gedanken zu stoppen und den Kopf zur Ruhe kommen zu lassen. Für manche mag das durch Meditieren gelingen, für andere mit Konzentrations- und Gedächtnisübungen. Sogar ein schwieriges Puzzle kann helfen, Abstand von den eigenen Gedanken zu bekommen.
4. Vertrauenspersonen einbeziehen
Zu Unzufriedenheit kommt es häufig, wenn Führungskräfte ihre Probleme für sich behalten und sie selbst lösen wollen, anstatt sich Hilfe zu suchen. Finden Sie Ihre Vertrauensperson(en), mit denen Sie über Herausforderungen sprechen können. Das können Familienmitglieder sein, ein Coach oder auch Netzwerk- und Selbsthilfegruppen.
5. Grenzen setzen
Langfristig ist es jedoch sinnvoll, der Unzufriedenheit auf den Grund zu gehen. Gerade in kleinen Unternehmen übernehmen Inhaber viele Aufgaben selbst, statt sie zu delegieren. Sie sollten deshalb klare Grenzen setzen: Was sind meine Aufgaben als Unternehmer? Wofür bin ich verantwortlich – und wofür nicht?
Eine entscheidende Entlastung könnten dabei Mitarbeiter sein: „Wenn ich meinem Team vertraue, fällt es mir leichter, Aufgaben abzugeben und nicht mehr alles selbst zu machen.“
Wie zeigt sich mangelnde Selbstfürsorge?
Zu viel Stress und Anspannung können sich auf verschiedenste Art zeigen. Häufig werden die Anzeichen deshalb übersehen. Unternehmer sollten wachsam bleiben. Je früher sie auf die Symptome reagieren, desto besser. Warnsignale sind etwa:
- schlechter Schlaf
- nicht mehr abschalten können
- Grübeln und Gedankenkreisen
- geistige Erschöpfung
- nachlassende Kreativität
- schnell aus der Fassung geraten
Welche Gründe hat mangelnde Selbstfürsorge?
Es gibt viele Gründe, wieso Führungskräfte nicht ausreichend für sich sorgen. Zwei Motive begegnen mir bei Unternehmerinnen und Unternehmern immer wieder:
1. „Wir müssen etwas schaffen“
Führungskräfte mit einer ausgeprägten Leistungsorientierung verspüren den Druck, ständig etwas zu erreichen, und geben privaten Themen wenig Raum. Dabei vernachlässigen sie auch ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen.
2. „Ich kann meine Mitarbeiter nicht im Stich lassen“
Insbesondere Unternehmer mit einem starken sozialen Gewissen empfinden laut der Resilienz-Expertin Selbstfürsorge als egoistisch. Eigentlich sollte man sich um andere kümmern, statt sich nur auf sich selbst zu fokussieren – so der Gedanke. Die Probleme der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dann Priorität, während die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt werden.